Gruwowi

Dienstag, 19. August 2008

Gedankenfreiheit und so

Manchmal tun sich einem echte Abgründe auf, wenn man so dicht am Leben anderer Menschen arbeitet.
So hat mich eine Mieterin angerufen und um einen Termin wegen Ihrer Mietschulden gebeten. Die Gute hat fast 3 Monate nicht mehr gezahlt und hat die Wohnung schon von sich aus gekündigt – nach Abnahme hätten wir sofort einen Mahnbescheid erstellen lassen.

Als Sie ins Büro kommt, gehen wir zusammen ins Besprechungszimmer. Sie erzählt mir, dass Sie große private Probleme hat, einen schlimmen Exfreund, das sie wegen dessen Nachstellerei alles andere aus dem Blick verloren hätte, eben auch den Dauerauftrag für die Miete.
Soweit, so gut. Ich erkläre ihr, was Sie tun kann um die Kuh vom Eis zu kriegen, Sie wirkt offen, der Fall sieht einfach aus.
Dann fragt Sie, in welchem Zustand die Wohnung zurückzugeben sei. Ich erkläre ihr auch das.
Sie fragt, wie es mit dem Teppich wäre? Denn da gäbe es ja noch ein Problem....welches Problem? Nunja, da wären ja die ganzen Drähte drunter. Die von der Gedankenlesemaschine in Ihrem Kopf, die ihr Ex ihr da hat einbauen lassen. Gleichzeitig hat er Drähte unter dem Teppich verlegt, die wie Antennen für ihre Gedankenwellen funktionieren.
Einigermaßen fassungslos sitze ich da, höre mir noch diverse weitere paranoide Gedankengänge an. Frage vorsichtig, ob Sie mal überlegt hat wegen Ihrer angeschlagenen Nerven zum Arzt zu gehen?
Nein, das habe Sie nicht nötig, sie wisse mittlerweile wie sie um die Drähte herumgehen kann und seit dem ging es ihr ganz wunderbar.

öhm tja.

In unserem wunderbaren Land kann man niemanden zu einem Arzttermin zwingen, solange er nicht sich selbst oder andere gefährdet. In diesem Fall also: Solange Sie nicht auf die Idee kommt sich das Gedankenlesegerät aus dem Kopf zu schneiden, oder die Drähte mitsamt Teppich und Haus abzufackeln können wir von der Mietverwaltung gar nichts machen.....unser Hausmeister ist informiert und wird nun ein offenes Auge auf die Mieterin halten – braucht echt keiner, dass da was passiert.

Herr E. aus W.

Einer meiner liebsten Mieter ist Herr E. aus W.
Mittlerweile erkennen mein Assistent, mein Azubi und unsere Sekretärinen durch die geschlossene Bürotür, wenn Herr E. anruft.

Ich: „T...., Guten Tag!“
Herr E.: „DIE FRAU T! ALSO DIIIIIE! DIE HAT WIDDER, DES WÜRDE SIE GAR NET GLAUBE WIE DIE WIDDER MIT MIR! IM TREPPENHAUS! ALSO, SOWAS HABBE SE NOCH NET ERLEBT! IM GANZE LEBE NET!“
Ich: „ Hallo Herr E. Was ist denn passiert?“
Herr E.: „HIA! FRAU D! (das ist schon längst nicht mehr mein Nachname, aber bei Ihm hab ich’s echt aufgegeben )
Ich: „Jaaaa?“
Herr E.: „FRAU D! DIE FRAU T! WIE DIE MIT MIR WIDDER GEREDD HAT! DA MÜSSE SIE MA EN BRIEF SCHREIBE!“
Ich, grinsend und Hörer ganz weit weg haltend: „Herr E., das hab ich Ihnen doch schon erklärt. Ich kann nur dann was schreiben, wenn ich auch eine schriftliche Beschwerde hab. Sie müssen mir das schreiben, nicht anrufen!“
Herr E.: „ALSO! EHRLISCH! WENN SIE DES!!! WERKLISCH!!!!“
Ich: „Ja, Herr E. Glaub ich Ihnen ja. Aber schreiben Sie mir das bitte!“
Herr E.: „WIE DIE SISCH DA UFFGEFÜHT HAT!“
Ich: „Ja.“
Herr E.: „DES WAR OHNE WODDE! TSCHÖ!“ -*klick*-

Ist übrigens sein Markenzeichen, mittendrin einfach abzubrechen und aufzulegen. Solche Gespräche führen wir mindestens 3 mal in der Woche. Einen Brief hat er mir bis jetzt noch nie geschrieben.....geschweige denn hat er jemals erklärt, WAS genau die arme Frau T ihm denn nun verbal antut....

Mietverwaltung

Wer hätte gedacht, was man so alles in einer STINO Mietverwaltung erleben kann? Dazu sei gesagt, dass wir hauptsächlich für die vielgeschimpften „Heuschrecken“ verwalten, ich selbst habe derzeit 1.500 Einheiten in der Betreuung, Tendenz steigend. Daneben bin ich noch Ansprechpartner für einen unserer Großkunden, so dass oft Zeit (und Geld) nicht ganz für das reichen, was man sich selbst als Betreuungsziel setzt... Stress pur in vielen Situationen.

Was hier ab und zu an Vögeln abgeschossen wird, ist kaum zu glauben – sollte aber vielleicht einfach mal dokumentiert werden....mal sehen wie viel Zeit/Spaß ich finde.

Begriffsdefinition

"Was ist eigentlich ein Gruwowi?!?"

...ein Gruwowi ist ein Kaufmann bzw. eine Kauffrau der Grundstücks-u. Wohnungswirtschaft, auf Neudeutsch "Immobilienkaufmann/frau"

Sprich: In der Steinzeit (keine 8 Jahre her) habe ich folgende 4 Berufe gelernt:

-Makler
-Bauträger
-WEG-Verwalter
-Mietverwalter

Alle drei habe ich mittlerweile mit berufspraxis hinterlegt.

*gäääääääähn* ?

Nur bedingt ;)

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